Das Reeperbahn Festival ist vollgepackt mit Attraktionen. Menschen hetzen von einem Konzert zum nächsten. Das schlaucht. Doch wir haben den Gegentrend dazu entwickelt. Wer mit uns kommt, genießt den Augenblick, liebevoll ausgewählte Bands, gemütliche Clubs und viele hübsch verpackte Kalorien. Auch in diesem Jahr dokumentieren wir ein paar Highlights unserer bewusst e-n-t-s-c-h-l-e-u-n-i-g-t-en (es hat wirklich lange gedauert, das Wort so zu schreiben) Entdeckungstour inmitten des Festivalüberflusses.

Zckermonarchie Hamburg Zitronen Cheesecake und Schokotörtchen

Zitronen-Cheesecake und Schokotörtchen sind beste Freunde.
Foto: Isabel Herwig

Zum Auftakt eine kleine Stärkung mit allem, was in keinen Clean-Eating-, Fitness- und Gesundheitsplan passt. Traditionell immer in der Zuckermonarchie (Taubenstraße 15).

 

Maximo Park beim Konzert bei Michelle Records in Hamburg

Niiiiiiiiiccccceeeeee.
Foto: Isabel Herwig

Wenn Paul Smith von Maxïmo Park einen Plattenladen betritt, ist das ein ungleiches Duell. Jeder Konsumwunsch verödet innerhalb weniger Atemzüge. Er wird abgelöst von dem freudigen Gefühl, das man von Begegnungen kennt, in denen niedliche Sachen wie Welpen, Katzenbabys, Delfine und kleine Hamsterkuscheltiere involviert sind. Das Herz hüpft. Alle Sorgen sind vergessen. Ach könnte man doch mal über den Kopf streicheln – okay – so weit würden wir in dem Fall nicht gehen = Hutträger. Doch Maxïmo Park bei Michelle Records waren das Licht.

 

Brieftasche, Buch und Telefon von Maximo Park Sänger Paul Smith, nachdem er es im Schaufenster bei Michelle Records abgelegt hat.

Was? Was steht da genau? Ist das gut? Sollte man das auch lesen?
Foto: Isabel Herwig

Und einen Buchtipp gab Paul indirekt mit dazu.

 

Helga! Award Awardverleihung

So irritierend. Die Crew aus Barbies Traummobil beim Helga! Award.
Foto: Isabel Herwig

Später besuchten wir den Helga!-Award, den der Festivalguide in Kategorien wie „Leidenschaftlichste Festival-Performance“ mit einem Haufen halbnackter Wrestler auf der Bühne verleiht.

 

Teilnehmende beim Helga Award auf der Bühne.

Heeeeejaaaaaa. Helga!
Foto: Isabel Herwig

Au ja, ein großer Spaß. Vor allem für die da unten.

 

Dom im Festival Village des diesjährigen Reeperbahn Festivals

Ja, nein, vielleicht. Das Außen ist doch viel zu schön.
Foto: Isabel Herwig

Sehr hübsch in diesem Jahr war auch das Festival Village auf dem Heiligengeistfeld zwischen Millerntor und Reeperbahn. In diesem Dom haben wir uns Kunstkurzfilme angesehen, bis uns diese zu sehr an unsere eigentliche Vorliebe für die einfachen Dinge erinnerten.

 

Am Handbrotstand auf dem Festival Gelände des Reeperbahn Festivals in Hamburg

Endlich reinbeißen, endlich reinbeißen, endlich reinbeißen… Nun mach endlich das Foto: Isabel Herwig!

Simple Freuden wie ein nächtliches Handbrot zum Beispiel. Wunderbar. Entspannung galore. Wir sitzen zu gerne einfach nur rum…

 

Ballons der Bazzookas auf dem Reeperbahn Festival im Festival Village

Vom Winde verweht.
Regie: Isabel Herwig

…und starren auf gelbe Ballon-Dudes. Diese gehören den Bazzookas, die mit ihrer Ska-Performance zum Reepernahn-Festival-Inventar zählen. Niemand kann ihnen widerstehen. Außer wir, wenn Brot und saure Sahne ein eklatantes Statikproblem haben. Ihr kennt das. Die einfachen Dinge.

 

Loney Dear spielt in der St. Pauli Kirche auf dem reeperbahn Festival in Hamburg

Ommmmmmmmm
Foto: Isabel Herwig

Eine weitere Tradition, von der wir uns nicht abhalten lassen, sind regelmäßige Kirchenbesuche. Besonders wirkungsstark in der St. Pauli Kirche war dieses Jahr der schwedische Indie-Folk-Künstler Loney Dear.

 

Bälle auf Balkon in Hamburg St. Pauli

Hamburger Tiefdruckgebiet
Foto: Isabel Herwig

Und ja, nach nur zwei Festivaltagen fühlt man sich wie im Bälleparadies, wenn man als Ball in der Hackordnung ganz unten steht. So wie der kleine weiße Fußball hier im Bild, doch wir schweifen ab. Es gibt Wichtigeres zu verhandeln.

Frühstück zum Beispiel…

 

Akustikkonzert vor dem Freihait und Roosen in Hamburg

Und euer Vormittag so?
Foto: Isabel Herwig

Moment. Kurzer Stopp, das nehmen wir noch mit. Vor dem Plattenladen Freiheit & Roosen spielen sich Bands schon vormittags warm. Aber leider ist das in diesem Augenblick nicht unsere Priorität.

 

Frühstück im Mamalicious in Hamburg

Butterlicious
Foto: Isabel Herwig

Die liegt wenig später bei Mamalicious (Max-Brauer-Allee 277) auf dem Teller. Amerikanische Pfannkuchen zum Beispiel und pochierte Eier mit Bratkartoffeln.

 

The Drums beim Reeperbahn Festival Auftritt

Ich sehe nicht richtig, was die anderen sehen, aber es ist zumindest irgendwie orange…
Foto: verraten wir nicht

17 Laola Wellen und ein Trommelwirbel: Das ist sicher mit Abstand das sinnloseste Festivalfoto. Doch es erfüllt einen guten Zweck. You win or you learn. In diesem Fall lernten wir mal wieder: Entweder du kommst rechtzeitig, oder du steckst im Uebel & Gefährlich auf den hintersten Plätzen fest. Und das, obwohl Johnny von The Drums doch so eine gute Show geboten hat.

 

Charlie Cunningham auf dem Reeperbahn Festival im Hamburger Michel

Ach, so schön, diese Wände, der Schmuck, die Farben. Und das da hinten ist Charlie.
Foto: Isabel Herwig

Ebenfalls in Bestform: Singer-Songwriter Charlie Cunningham nachts vor großer Kulisse im Hamburger Michel. So begeistert hat man Menschen in einer Kirche selten eine Zugabe fordern hören. Aber der Brite, der in Sevilla gelernt hat, wie man spanische Flamencogitarristen kopiert, ist einfach auch etwas ganz Besonderes. Da, wir meinen den Kleinen dort. Wieso wir ganz offensichtlich wieder zu spät dran waren? Nun, die Wahrheit ist: You win or you LOSE. Das Sprichwort muss eindeutig in diese Formulierung korrigiert werden. Dazulernen ist in dem bunten Flirren des Reeperbahn Festivals, wo man ständig netten Leuten und guten Snacks über den Weg läuft, einfach nicht drin.

 

Frühstück im Cafe Johanna in Hamburg

Wahre Schönheit kommt aus der Küche.
Foto: Isabel Herwig

Bevor wir die Rückblicke und Tipps mit dieser Lebensweisheit freigeben, verleihen wir noch den Auswärtsessen-in-Hamburg-Award unseres #rbf17-Jahres. Gewonnen hat dieses influenecerwürdige Bilderbuchfrühstück aus der Küche im Café Johanna (Venusberg 26C).

Herzlichen Glückwunsch. Der Genuss ist auch an festivalfreien Tagen garantiert. Allerdings solltet ihr Samstags schon kurz vor 10:00 Uhr anstehen, wenn ihr pünktlich frühstücken wollt. Sonst ist das Café unter Umständen schon voll. Bei unserem Versuch hatten wir diesbezüglich alles richtig gemacht. Gleichgewicht wieder hergestellt. Danke Johanna.

Text & Illustrationen: Christine Stiller

Fotos: Isabel Herwig

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.